Mittwoch, Januar 07, 2015

„Verändertes London – veränderte Jugendarbeit. Neues und interessantes aus der internationalen Arbeit mit Jugendlichen“







Die letzten Tage waren wir als Familie in London. Ich habe auf der IASYM Konferenz (International Association for the Study of Youth Ministry) gesprochen, gehört und gelernt und Christine und die Kids haben London entdeckt und ich habe mich, so gut es ging, zu ihnen gesellt. Es war in mehrerlei Hinsicht eine spannende Woche. Eine Woche voller Veränderungen, die erste war London selbst. Ich war schon lange nicht mehr da, 17 Jahre, und es hat sich viel verändert. Die einstmals historische Innenstadt mit der St. Pauls Kirche in der Mitte ist kaum noch zu erkennen vor lauter riesigen Glas- und Betonbunker, die wie riesige Berge alles überragen. Postmoderne Architektur ist dann wohl der Euphemismus für die neue Londoner Skyline. Anyway, London bleibt eine faszinierende Stadt der Kulturen, Bewegungen und Religionen. Manchmal musste ich innerlich lächeln, wenn ich in der überfüllten U-Bahn die Menschen beobachtete, an die zeitgleichen Pegida Proteste in Dresden dachte, was würden die Pegida Anhänger wohl in London tun?
Um Veränderungsprozesse ging es auch auf der IASYM Konferenz, knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 20 Ländern diskutierten über verschiedene Themenfelder der Jugendtheologie und deren Einfluss auf die Jugendarbeit und umgekehrt. Neben vier ‚Keynotes’ gab es30 verschiedene Vorträge, Diskussionen, Forschungsreports und Panals mit allen erdenklichen Themen rund um das Themengebiet Jugendarbeit. Dabei gab es allerlei heiße Diskussionen, vor allem wenn es um das Thema „Theologie von Jugendlichen“ ging. Aber auch methodologische Fragen führten immer wieder diskutiert, wie zum Beispiel die Praktische Theologie mit der empirischen Sozialforschung zusammenarbeiten sollte und ob sie nicht in der Gefahr stehe, sich dabei selbst zu verkaufen. Besonders einige amerikanische Theologen forderten einen ‚theological turn’ in der Diskussion, was ich nicht nur übertrieben, sondern auch falsch finde, aber das ist wieder eine eigene Diskussion. Interessant war, dass sich Jugendarbeit (in fast allen Ländern) sich immer mehr von Gemeindearbeit wegbewegt, weil das Verständnis von ‚Glaube’ zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sich immer mehr auseinander bewegen. Daneben gab es verschiedene geistliche Angebote, Begegnungen und eine sehr spannende Exkursion zu ‚Oasis’, einer beeindruckenden Stadtteilarbeit in London, die ähnlich wie unsere Transformationsstudien arbeitet, nur etwas wesentlich größer!
Insgesamt war es ein wirklich gutes Niveau, das erfreulich international vertreten war und zeigt, dass Jugendarbeit im Aufwind ist und sich dabei sehr verändert. Weg von einer programm- und konsumorientierten hin zu einer partizipatorischen und selberermächtigenden Arbeit. Es ist sehr erfreulich, dass die Arbeit mit Jugendlichen mit akademischem Anspruch reflektiert, gefördert und multipliziert wird.
Wer sich mehr für die Konferenz interessiert, findet bei Prof. Robben von der TU Dortmund weitere Berichte und Eindrücke. Wer sich inhaltlich für die Themen interessiert, sei auf das 'Journal of Youth & Theology' hingewiesen. 



Kommentare:

Christian hat gesagt…

"Was würden die Pegida Anhänger wohl in London tun?" Ich fürchte, dasselbe wie die Londoner: die Regierung abwählen:
http://www.fr-online.de/politik/grossbritannien-auslaender-nicht-mehr-willkommen,1472596,25475708.html
;)

Tobias Faix hat gesagt…

Na, dann hoffen wir mal für unser Land, dass es weiter so wenige Anhänger bleiben...

Christian hat gesagt…

Hagida (jedenfalls nicht mit "Ha-" für Hamburg) gibts Gott sei dank (noch) nicht, obwohl immerhin Mohammed Atta und einige seiner Gefährten aus einer Hamburger Moschee kamen.